Loustic

 

Loustic du Pralon  (Lou)     w/dBr./1999/SF

 

 
Lou wurde in Frankreich vom Haras Nationale gezüchtet. Er wuchs bei einem älteren Herrn, der jedes Jahr vom Nationalgestüt Fohlen mit ihren Müttern bei sich für die Aufzuchtszeit hatte auf.
Er lebte in einer grossen Herde in einem Tal. Die Pferde führen dort, mehr oder weniger ein Wildleben. Sie bekommen Heu und Stroh zugefüttert und sind sonst,  sich selber überlassen.
Darum kannte Lou auch kein Halfter, keine Hufe geben und generell den Kontakt zu den Menschen nicht.
Er wurde mit seinen Kollegen zusammen an Auktionen vorgestellt. Vorgestellt? Nein, eher wild herumrennen gelassen. Vermutlich war auch das der Grund, warum er nicht verkauft wurde.
Nach der letzten Herbstauktion im Jahr 2002 fuhren grosse LKW's auf den Platz, in welche man Pferde verlud, die nicht verkauft wurden. Die LKW's hatten italienische Autokennzeichen. Schnell war klar, dass es die 3,5 Jährigen Pferde trifft die nicht verkauft wurden. Dank der Subventionen die die EU damals für Transporte nach Süditalien bezahlte, wurden unzählige Pferde aus ganz Europa nach Süditalien gekarrt und dort geschlachtet.
Es brauchte einiges an Bier, Wein und Zeit bis unsere Männer Kaufverträge für insgesammt 5 Pferde auf Servietten hatten.
Eines dieser Pferde war Lou. Ein kleiner, fast schwarzer Franzosenhengst.
Eine Woche später wurde er zu Freunden von Martina in die Bresse gebracht. Denn ein Hengst konnte bei Michel vor dem Haus nicht unterkommen. Lou wurde auf dem Viereck ausgeladen und hatte nur Sichtkontakt zu den anderen Pferden. Rudi und Monika versuchten sich ihm anzunähern. Doch Lou interessierte sich nicht für Zweibeiner. Sie hatten auch keine Chancen ihn am Halfter auf eine Weide, oder in den Stall zu führen, denn sie kamen gar nicht erst an ihn ran. Also war klar, Martina musste schnell nach Frankreich zu Lou.
Nach 2 Tagen konnte Martina Lou zum ersten mal streicheln. Nach 4 Tagen etwas auf dem Platz herum führen. Am 5. Tag wollte Martina ihm den Anhänger zeigen, damit er ihn in Ruhe kennen lernen konnte. Und siehe da. Plötzlich stand Lou im Hänger drin. Spontan entschloss Martina umgehend zu packen und loszufahren Richtung Zürich.
Zuhause wurden wir bereits erwartet. Nicht schlecht wurde gestaunt, als Martina mit dem Anhänger IN den Auslauf fuhr und als erstes den Elektrozaun um 50cm erhöhte. ;-)
Was für ein Teufelstier hat sie denn da mitgebracht? :D
Kein Teufel. Aber ein Tier was sich noch nicht an den Umgang mit Menschen gewöhnt hat und auf keinen Fall das Stallgelände verlassen darf. Denn ein Einfangen wäre zu der Zeit kaum möglich gewesen.
Lou meisterte das alles super! Schon nach wenigen Tagen konnten seine Hufe gemacht werden, der erste Tierarztbesuch war geschafft und sogar der erste Spaziergang klappte ohne Probleme. Lou zeigte sich als äusserst lernwilliges Jungpferd. Das erste Jahr kam er mit auf Spaziergänge, als Handpferd mit auf Ausritte, wurde longiert und lernte auch den Sattel, noch ohne Reiter auf dem Rücken kennen.
Das Anreiten klappte dann nicht so einfach wie sonst mit den meisten Pferden. Lou stand zwar super brav da. Liess den Reiter aufsteigen, aber als er sich bewegen sollte, bemerkte er den "Puma" auf seinem Rücken und wollte Martina um jeden Preis los werden. Wenn sie nicht freiwillig Lou's Rücken verliess, landeten beide zusammen auf dem Boden. Lou tobte so lange bis er selber keine Kraft mehr hatte und das Gleichgewicht verlor.
Es brauchte einiges an Geschick ihm diese "Pumageschichte" abzugewöhnen. Aber es klappte. Und seither ist er ein absolutes Verlasspferd.
Er hatte einige Jahre eine Mitreiterin mit der er viel unternahm. Leider wuchs der Ehrgeiz der Dame schneller als ihre reiterlichen Fähigkeiten und ihre Ungeduld machte ganz viel kaputt. Irgend wann auch das Vertrauen, so dass eine gemeinsame Zusammenarbeit nicht mehr möglich war.
Martina begann dann noch einmal bei Null mit Lou. Baute sein Selbstvertrauen und das in den Reiter wieder auf und bildete Lou vernünftig aus. Lou machte auch einen super Job mit Kindern. Sogar als Führpferd und Gymkhanapferd machte er eine super Falle. Etwas Dressur und Springarbeit findet er als Abwechslung auch ganz gut. Aber am liebsten streift er durch die Wälder, oder schleppt einen Zweibeiner zu Fuss mit auf Fresstouren. :-)
Seinen Menschen hat Lou auch wieder gefunden. Andrea ist seit einigen Jahre seine Tüddeltante die mit ihm durch Dick und Dünn geht.
Ganz bei Null hat auch sie mit Lou begonnen als sie ihn kennen lernte. Sie hat von seiner letzten Reiterin so einiges gehört und wollte auf keinen Fall Fehler machen. Die beiden sind ein super eingespieltes Team. Ja ein richtiges Dream-Team. Das kann man so sagen!
Hoffentlich werden die beiden noch viele gemeinsame Jahre zusammen verbringen und Tolles erleben. Es ist schön ein so harmonisches Team im Stall zu haben.