King d' Édénique

 

King d'Èdènique       W/Schi/1997/SF                               13 + Juni 2002

 

   
 
Die Mutter von King verstarb als er wenige Wochen alt war. Die Tote Stute lag auf einer Weide in Frankreich und das Fohlen schrie sich die Seele aus dem Leib. Die Besitzer wollten King schlachten lassen. Freunde von mir päppelten ihn liebevoll auf bis er gut drei Jahre alt war. Dann wussten sie nicht mehr wohin mit ihm. Denn eine Freundin die versprach ihn auszubilden, zog plötzlich weit weg und konnte sich King nicht mehr annehmen.
So kam King im Dezember 2000 zu uns in den Etzliberg. Er zeigte sich als williges, lernbereites, aber manchmal auch etwas stures Jungpferd. Er wurde ausschliesslich im Gelände ausgebildet und stand in seinem ganzen Leben nur 3-4 mal auf einem Reitplatz.

Als er knapp 5 Jahre alt war, liess eine damalige Reiterin die Futterkammer offen und King machte sich zusammen mit Amadeus ans Werk. Die Beiden hatten mehrere Stunden Zeit sich den Bauch voll zu schlagen.
Zuerst war die Hoffnung gross, dass nicht viel passieren würde. Die Dame am Telefon im Tierspital meinte, wenn keine Kolikanzeichen vorhanden wären, wäre ja alles in Ordnung. Ich solle die Tiere überwachen, das Vorbeikommen in der Klinik wäre nicht nötig.
Ich hab mich abwimmeln lassen. Das war der grösste Fehler!
In der Nacht überwachte ich beide Tiere. Beide liessen nur noch den Kopf hängen und hatten Durchfall. So bestellte ich um 4 Uhr Nachts den Notfalltierarzt. Der kam dann auch recht schnell und überwies mich sofort ins Tierspital. Amadeus Zustand war noch schlechter als der von King. Ich machte mir riesig Sorgen. Wurde im Tierspital noch angeblufft, warum ich nicht früher gekommen sei. DAS WOLLTE ICH JA! Aber man wimmelte mich ab!
Amadeus ging es am nächsten Tag wieder recht gut. Er durfte sogar nach 2 Tagen wieder nach hause.
King hingegen bekam eine Hufrehe. Eine der schlimmsten Erkrankungen für ein Pferd.
Er wusste kaum mehr wie stehen. Lag sehr viel. Es war heiss. Sehr heiss! Ich war täglich für viele Stunden bei ihm. Nach einer gefühlten Ewigkeit durfte King nach hause. Er hatte sehr gute Chancen wieder gesund zu werden. Zuhause musste er in Einzelhaft, damit er mit Rumtoben seine Hufverbände nicht kaputt machte. Nach 3 Wochen begannen wir mit kurzen Spaziergängen. Er lief wieder sehr gut. Trotzdem war klar. Er würde für mindestens 6 Monate nicht mehr geritten werden. Ich wollte ja kein Risiko eingehen. Ich war überall sehr vorsichtig. Machte ihm darum zur Schonung seiner Hufe noch weiter Hufverbände. Meine Angst dass noch irgend was hätte passieren können konnte mir niemand nehmen. Also lieber zu vorsichtig, als dass etwas passiert.
Unser damalige Tieratzt spaziete mit seinem Hund bei uns vorbei und fragte, wass den King hätte. Ich erzählte ihm was passiert war und bat ihn darum, für einen Kontrollbesuch vorbei zu kommen.
Das tat er am nächsten Tag. Kings Hufe habe ich eine Minute bevor der Tierarzt kam, gerade von den Hufverbänden befreit. Er lief gut! Sehr gut!
Der Tierarzt meinte, er hätte für seinen Geschmack zu warme Hufe. Mein Einwand, dass er bis gerade eben Hufverbände getragen hätte und die Hufe vermutlich darum wärmer seien als sonst liess er nicht gelten.
Er wollte ihm Kortison spritzen um zu verhindern, dass eine Entzündung entstehen könne.
Ich war strikte dagegen. Zeigte mir doch mein Tier seit Wochen, dass es ihm viel besser, nein sogar gut ging!
Der Tierarzt bearbeitet meine Mutter und mich immer weiter. Meine Mutter konnte er schneller überzeugen. Und sie fragte mich, ob ich denn wirklich das Gefühl hätte, dass ich als Laie es besser wisse wie der Tierarzt.
Ich gab nach. King bekam Kortison. Der Tierarzt ging wieder. Es war Freitag Abend.
Am nächsten Morgen sah ich Kings Augen an, dass etwas nicht gut war. Ich holte ein Halfter und führte ihn vor. Er lief wieder sehr vorsichtig. Ich rief umgehend den Tierarzt an und es hiess, er würde sich bei mir melden. Das Tat er nicht. Ich rief jede Stunde an. Er nahm das Telefon nicht mehr ab.
Als ich im Tierspial anrief (es war Samstag) meinte man, ich müsse durch den "Haustierarzt" überwiesen werden. Ja wie denn???
Am Sontag lag King nur noch im Stoh, ich konnte ihn zwar dazu bewegen aufzustehen. Aber sobald ich ihn in Ruhe liess, legte er sich wieder hin.
Ich machte Telefonterror bei unserem Tierarzt. Er nahm irgend wann sogar ab. Ich sagte er müsse UMGEHEND kommen. Er wollte/konnte nicht, es würde ihm selber nicht gut gehen. Ich rief wieder im Tierspital an. Man sagte mir, ich könne am Montag Morgen gleich um 8 Uhr kommen.
Man fragte mich was passiert sei. Ich erzählte das der „Haustierarzt“ am Freitag Abend kam und Kortison spritzte. Alle anwesenden verschlugen die Hände über dem Kopf und fragten mich. Sind sie sicher KORTISON??? Ja ich war mir sicher... Meine Mutter auch....
Es wurde geröntgt und man konnte erkenne, dass sich das Hufbein (Knochen im Huf) zur Sohle runter senkte. Das war ein Schock! Genau davor hatten wir die ganzen Wochen zuvor als King im Tierspital stand Angst. Jetzt ist es geschehen. Die Assistenztierärztin merkte wie mir die Luft weg blieb. Sie tröstete mich und meinte: King muss bei ihnen ja kein Sportpferd sein. Das ist noch kein Todesurteil, wir müssen jetzt einfach schauen, dass der Knochen nicht noch weiter absinkt.
Ich rannte zu meinem Pferd, welches von einem Pfleger vom Röntgen in den Behandlungsraum gebracht wurde. Dort machten sich zwei Pfleger dran ihm die Hufeisen abzunehmen. Was sollte das denn??? Das wurde nicht mit mir abgesprochen!
Die Tierärztin kam wenige Minuten später dazu und meinte. Der leitende Oberarzt würde meinem Pferd keine 5% Chancen mehr geben, um jemals wieder schmerzfrei gehen zu können. Ich müsse ihn erlösen.
Ich konnte und wollte das nicht glauben. Gerade vor wenigen Minuten sagte mir die gleiche Tierärztin es wäre kein Todesurteil für mein Pferd und jetzt das?
Ich wollte eine unabhängige Zweitmeinung. Doch einen fremden Tierarzt wollte man nicht dulden. Ich bat darum das Pferd zu spritzen, so dass es keine Schmerzen mehr hätte und ich es in eine andere Klinik hätte transportieren können. Auch so wollte man mir nicht entgegen kommen. Meine Mutter glaubte mal wieder den Tierärzten vor Ort und versuchte mich zu bekehren, damit ich der Erlösung zustimme. Sie stimmte bereits zu. Ich war am Boden zerstört. King wurde ohne dass ich das Ok dazu gab in die erste Boxe geführt. Der Katheter wurde in die Halsvene gelegt, ein Mittel gespritzt und dann zog mich ein Pferdepfleger aus der Boxe. Wenige Sekunden später knallte King zu Boden. Es war der Horror. So hab ich noch nie ein Pferd fallen sehen. Normalerweise geht das langsam und ruhig. Es war einer der schlimmsten Tage in meinem Leben.
Mein Gefühl sagte mir noch immer, dass es nicht nötig gewesen wäre. Tage später ging ich ins Tierspital zurück. Wollte die Röntgenbilder von meinem Pferd, welche man mir erst nicht aushändigen wollte. Es wäre Eigentum der Klinik. Was für ein Blödsinn. Ich sagte, ich würde die Rechnung nicht bezahlen, bevor ich die Bilder bekomme. Ich bekam sie.
Ich vervielfältigte die Bilder und zeigte sie div. Tierärzten und Hufschmieden. KEIN EINZIGER war der Meinung dass mein Pferd anhand dieser Bilder keine Chance mehr hätte.
Wie der Geier kam denn der leitende Oberarzt im Tierspital darauf? Mein Pferd hat er nämlich keine Sekunde gesehen.
Ich ging noch einmal zurück ins Tierspital und fragte die Assistenzärztin warum sie zuerst sagte dass es kein Todesurteil für King gewesen wäre und dann plötzlich doch.
Sie sah mich mittleidig an und meinte. Wenn mein Chef sagt so ist es, darf ich ihm nicht widersprechen.
Heute weiss ich ganz genau, dass die Assistenzärztin Recht hatte. Es wäre kein Todesurteil gewesen. Hätte man ein weiteres Absenken verhindern könne, hätte King die besten Chancen gehabt wieder ganz gesund zu werden.
 
Ich hab inzwischen mehrere Pferde kennen gelernt und selber erlebt, welche noch stärkere Senkungen überlebten und wieder kern gesund sind!
 
Dieser Vorfall wird mich mein Leben lang begleiten und belasten...