Simpa - unser "Düsli"

Simpa
wurde am 6.
März 1988 in Saignelégier
geboren. Dort wuchs er auf und
verbrachte die ersten zehn Jahre seines
Lebens im Jura.
1998 wurde er gemeinsam mit einer
Freibergerstute an eine Bauernfamilie im
Kanton Zürich verkauft. Die Familie mit
ihren vier Töchtern wünschte sich schon
lange ein eigenes Pferd.
Simpa war ein ausgesprochen fleissiges,
motiviertes Pferd mit viel
Vorwärtsdrang. Genau diese Eigenschaften
wurden ihm in seiner neuen Familie
jedoch zum Verhängnis. Aufgrund der
mangelnden Erfahrung der Besitzer
entstanden immer grössere Probleme.
Simpa war ein willensstarkes Pferd und
übernahm mit der Zeit die Führung, weil
ihm niemand klare und sichere
Orientierung geben konnte.
Viele Jahre später nahm ihn die älteste
Tochter mit auf einen Pferdehof, auf dem
sie ein Praktikum absolvierte. Sie
hoffte, dort besser mit ihm
zurechtzukommen.
Später zog sie gemeinsam mit Simpa zu
ihrem Freund. Dort lernte ich Simpa
näher kennen. Seine Besitzerin hatte
nach wie vor Schwierigkeiten mit ihm und
entwickelte zunehmend Angst.
Als ich mir die beiden genauer ansah,
fiel mir sofort auf, dass Simpa einen
Sattel trug, der ihm auf dem Widerrist
auflag und völlig unpassend war. Deshalb
lud ich die Besitzerin ein, mit Simpa in
den Etzliberg zu kommen, um gemeinsam
nach einem geeigneten Sattel zu suchen.
Zu unserem Glück fanden wir tatsächlich
einen passenden.
Von da an gab ich seiner Besitzerin
Reitstunden und arbeitete auch selbst
regelmässig mit Simpa. Oft dachte ich
mir, wie schön es gewesen wäre, dieses
aussergewöhnliche Pferd schon in jungen
Jahren begleiten zu dürfen. Nur wenige
Pferde arbeiten mit so viel Fleiss und
Ausdauer. Simpa hätte für seinen
Menschen alles gegeben.
Er lernte unglaublich schnell, verstand
sofort, was von ihm verlangt wurde,
liess sich im Tempo regulieren und
arbeitete mit grosser Freude mit. Auch
seine Besitzerin machte Fortschritte,
fiel jedoch immer wieder in alte
Verhaltensmuster zurück.
Simpa war nie ein schwieriges Pferd.
Schwierig war die Beziehung zwischen ihm
und seiner Besitzerin. Durch ihre
Unsicherheit und Angst entstand ein
Kreislauf, der beide immer wieder in
dieselben Konflikte führte.
Etwa im Jahr 2008 zog Simpa zurück auf
den Bauernhof im Horgenberg. Die Familie
hatte inzwischen kaum noch Interesse,
nur die älteste Tochter kümmerte sich
weiterhin um ihn. Als sie eine neue
Arbeitsstelle annahm und umzog, war
klar, dass sie Simpa mitnehmen musste,
da die Familie ihn nicht mehr versorgen
wollte.
Aus finanziellen Gründen konnte sie ihn
jedoch nicht in einem Pensionsstall
unterbringen. Deshalb erhielt sie die
Möglichkeit, Simpa im Etzliberg
einzustellen und lediglich die
Unterhaltskosten zu bezahlen. Als
Gegenleistung half sie regelmässig auf
dem Hof mit – eine Vereinbarung, die sie
während einiger Jahre recht zuverlässig
erfüllte.
Allerdings wurde Simpa von diesem
Zeitpunkt an nicht mehr von seiner
Besitzerin geritten.Vielleicht war das
auch besser so?
Ich liess sie stattdessen auf Lou
reiten, damit sie mehr lernen
Erfahrungen sammeln und Selbstvertrauen
gewinnen konnte. Das gelang ihr zwar,
doch gleichzeitig verlor sie zunehmend
das Interesse an Simpa.
Mit der Zeit wurde dieses Desinteresse
immer grösser.
Aus Spargründen liess seine Besitzerin
ihm schliesslich die Hufeisen abnehmen.
Die Folge war, dass Simpa über ein Jahr
lang lahm ging. Immer wieder hörte ich
neue Ausreden, weshalb nichts
unternommen wurde und dass das eben
seine angebliche Arthrose sei.
Im Juli 2015 zog ich schliesslich eine
klare Grenze. Ich erklärte ihr, dass ich
dieses Leiden nicht länger dulden würde
und sie endlich handeln müsse – sei es
mit einem Hufbeschlag, Hufschuhen, einem
Klebebeschlag oder einer anderen
geeigneten Lösung.
Darauf fragte sie mich, ob ich Simpa
einen Klebebeschlag anbringen würde,
wenn sie die Kunststoffbeschläge selbst
bezahle. Selbstverständlich sagte ich
zu.
Und siehe da: Schon unmittelbar danach
ging es Simpa wieder hervorragend. Er
bewegte sich wie ein junges Pferd und
genoss sein Leben sichtlich.
Kurze Zeit später erhielt ich einen
Brief, in dem mir seine Besitzerin
mitteilte, dass sie Simpa schlachten
lassen würde, falls bis zu einem
bestimmten Zeitpunkt kein neuer Besitzer
gefunden werde.
Dabei suchte sie schon seit längerer
Zeit einen neuen Platz für ihn. Mehr als
einmal hiess es, Simpa werde den
Etzliberg verlassen – und ebenso oft
blieb er doch.
Schliesslich setzte sich das gesamte
Etzliberg-Team zusammen und fasste einen
gemeinsamen Entschluss: Wir würden Simpa
zusammen übernehmen.
Zunächst gehörte er einer
Besitzergemeinschaft. Als Sarah den
Etzliberg später ebenfalls verliess,
ging Simpa vollständig in den Besitz des
Vereins über.
So durfte er noch etwas mehr als drei
wunderschöne Jahre im Etzliberg
verbringen – umsorgt von Menschen, die
ihn liebten und schätzten.
Vermutlich waren das die schönsten Jahre
in seinem Leben.
Am 13.
November 2018 um 12.08 Uhr
hörte Simpas Herz im Alter von 30 Jahren
in unserer Mitte auf zu schlagen. Er
litt an einem akuten Niervenversagen,
was ganz unerwartet kam.
Er hinterliess eine grosse Lücke.
Simpa war ein aussergewöhnliches Pferd – ehrlich, fleissig, sensibel und voller Charakter. Wer ihn kennenlernen durfte, wird ihn niemals vergessen.