Nismo

Freunde
von mir hatten zwei Pferde in einem kleinen Stall im
Kanton St. Gallen. Als eines der Pferde, Fosi, schwer an
Hufrehe erkrankte, hatten wir häufiger Kontakt.
An dem Tag, an dem der Tierarzt und der Hufschmied
gemeinsam kommen wollten, war Barbara allein bei den
Pferden. Ich fragte sie, ob sie froh wäre um etwas
moralische Unterstützung, und fuhr zu ihr. Mir war
bewusst, dass Fosi sich in einem sehr kritischen Zustand
befand.
Als der Duplo-Rehebeschlag entfernt wurde, zeigte sich das
ganze erschütternde Ausmass der Erkrankung. Unter dem
geschlossenen Beschlag war deutlich zu sehen, wie das
Hufbein bereits gegen die Sohle drückte. Fosi konnte kaum
noch stehen.
Für Barbara war immer klar gewesen, dass sie alles für
Fosi tun würde. Ebenso klar war für sie aber auch, dass
sie sie nicht unnötig leiden lassen wollte. In diesem
Moment wurde deutlich, dass für Fosi keine Aussicht auf
Besserung mehr bestand und nur noch weiteres Leiden
geblieben wäre. Schweren Herzens entschied sie deshalb,
sie gehen zu lassen.
Nismo, das zweite Pferd – ein
junger Wallach – war völlig ausser sich. Schnell war klar,
dass er nicht allein auf dem Hof bleiben konnte. Deshalb
transportierten wir ihn noch am selben Abend zu uns in den
Etzliberg.
Dort schloss er sich sofort Lou an. Die beiden souveränen
Pferde beschlossen praktisch vom ersten Moment an,
zusammenzustehen. Dank der Kameraüberwachung im Stall
konnten wir sie beobachten und schliesslich mit einem
guten Gefühl nach Hause fahren, um das Erlebte zu
verarbeiten.
Nismo lebte sich im Etzliberg sehr gut ein. Allerdings
bescherte er uns auch wahnsinnig viel zusätzlicher Arbeit,
denn er hatte die Angewohnheit, wirklich jeden
Bollenhaufen auseinanderzupflücken und im ganzen Auslauf
zu verteilen.
Nach einem halben Jahr kauften Barbara und ihr Partner
wieder ein zweites Pferd. Sie bauten auf der anderen Seite
der Autobahn einen eigenen Stall, in den Nismo einzog.
Gemeinsam mit Indi lebt er dort. Die beiden sind
inzwischen ein unzertrennliches Duo geworden.