Lord (Pfüdi) - vom kleinen Rabauken zum liebenswerten Senior

Lord/Pfüdi
kam zu uns, weil er auf einem Bauernhof lebte, der
Reitlager für Kinder anbot.
Das Problem: Er konnte Kinder überhaupt nicht ausstehen.
Diese Kombination funktionierte verständlicherweise nicht
– also musste er ein neues Zuhause finden.
Mit seinen gerade einmal 113 cm Stockmass war er zwar
klein, benahm sich anfangs aber alles andere als harmlos.
Sobald man sich zu ihm hinunterbeugte, hatte man Hufe im
Rücken oder Zähne im Genick. Dieses Verhalten mussten wir
ihm sehr schnell abgewöhnen, denn es war schlicht zu
gefährlich.
Erwachsenen gegenüber war Lord zwar manchmal etwas frech
und schlecht erzogen, im Grossen und Ganzen aber
freundlich.
Ganz anders reagierte er auf Menschen unter etwa 150 cm
Körpergrösse oder mit einer hohen, kindlichen Stimme. Dann
konnte er richtig angreifen – mit angelegten Ohren,
gefletschten Zähnen und fliegenden Hufen.
Auch Sidonie aus unserem Stallteam hatte anfangs ihre Mühe
mit ihm. Sie ist selbst eher klein – aber oho! – und hat
eine recht hohe Stimme. Prüfi war zunächst überzeugt, dass
man eine solche Person problemlos vertreiben könne. Es
dauerte eine Weile, doch schliesslich zeigte auch Sidonie
ihm freundlich, aber bestimmt seine Grenzen auf.
Mit der Zeit veränderte sich Lord enorm. Er liess sich
wieder von Kindern putzen und sogar reiten. Allerdings
hatte er immer ein feines Gespür dafür, welche Kinder ihm
gefielen und welche nicht. Ruhige, respektvolle Kinder
mochte er gerne. Wilde Draufgänger hingegen waren nie nach
seinem Geschmack.
Auch vor dem Sulky machte Lord eine tolle Figur und zog
mich manches Mal sogar zum Einkaufen.
Ausserdem lernte er verschiedene Zirkuslektionen wie
Sitzen oder Abliegen auf Kommando. Solche Aufgaben machten
ihm sichtlich Spass.
Heute ist Pfüdi ein alter Herr geworden. Er büxt nicht
mehr aus, ist längst nicht mehr frech, dafür manchmal
etwas alters-starrsinnig.
Er geniesst einfach die Aufmerksamkeit und Zuwendung
seiner Menschen.
Körperlich darf er allerdings nicht mehr viel leisten.
Seine Lunge hat aus seinem früheren Stall bleibende
Schäden davongetragen. Damals stand er in einem dunklen
Stall und bekam schimmliges Heu. Viele Jahre konnte er
deshalb nur gewässertes oder bedampftes Heu fressen. Zum
Glück verträgt er heute wieder trockenes Heu – allerdings
nur in wirklich guter, staubfreier Qualität.
Anfangs hatten Lord und Pepino sich nicht besonders viel
zu sagen. Doch das änderte sich mit den Jahren. Heute sind
die beiden wie Max und Moritz – nahezu unzertrennlich.
Auch Pfüdi hat inzwischen seine ganz persönliche
Tüddeltante gefunden. Valeria kennt Sidonie bereits seit
ihrer Kindheit aus der Tiergruppe im GZ Heuried. Weil ihr
der Kontakt zu Tieren fehlte, fragte sie, ob sie
regelmässig zu uns in den Stall kommen dürfe. Valeria hat
ein besonderes Herz für ältere Tiere. Schnell war klar,
dass ihr Pfüdi und Amadeus besonders ans Herz gewachsen
waren.
Mit Amadeus hatte sie allerdings keine einfache Aufgabe.
Bis zum Schluss blieb er ein ziemlicher Charakterkopf und
konnte an schlechten Tagen recht schwierig sein.
Trotzdem liessen sich Valeria und ihre Mutter nicht
entmutigen. Gemeinsam unternahmen sie viele Spaziergänge
mit Pfüdi und Amadeus. Seit Amadeus nicht mehr lebt, gehen
Valeria, ihre Mutter, mit Pfüdi und Pepino gemeinsam durch
den Wald.
Pfüdi ist inzwischen stolze 39 Jahre alt.
Wir hoffen sehr, dass wir 2027 gemeinsam seinen 40.
Geburtstag feiern dürfen – natürlich mit einem grossen
Stallfest.